Schon wieder ein böser Tatort voller Vorurteile

Und schon wieder einmal hat es die ARD gewagt, einen Tatort zu senden, der eine Minderheit so auf die Barrikaden bringt, dass deren politische Organ die Absetzung forderte, da der Tatort Brandmal diskriminierend und gefährlich sei. Dieses Mal waren es die Zigeuner – politisch korrekt – Sinti und Roma, besser gesagt, deren Zentralrat, dessen Vertreter zwar den fertigen Film nicht kennen, aber Zeter und Mordio geschrien haben, weil sie sich verunglimpft sehen.

Ist das eine geschickte Werbestrategie der ARD oder muss in Deutschland zwanghaft auf Verdacht gegen alles protestiert werden, auch wenn es gar keinen Grund gibt? Rein prophylaktisch eben, um mal auf sich aufmerksam zu machen. Der Tatort gestern war so politisch korrekt – Freddy Schenk gab hier den als Widerpart zu Ballauf ein bisschen das Trampeltier -  und vorsichtig, dass ich mir zeitweise gedacht habe, man sollte im Zweifel lieber jeden möglichen Konflikt mit Minderheiten aus den Drehbüchern heraushalten, ehe eine so weichgespülte Kuschel-Atmosphäre vermittelt wird, in der am Ende alle unschuldig sind und ein Kickboxer der Mörder ist. Hier würde zwar auch meine Idee passen, dass sich jetzt vielleicht der Kickboxer-Verband beschweren könnte, diese Pointe bringt aber schon der Kommentator im Focus, dessen Beitrag mir gefallen hat. In der Zukunft dürfen wir beim Tatort wohl davon ausgehen, dass jede Minderheit grundsätzlich am Ende unschuldig bleibt.

Wäre das ein Obdachlosenheim geworden, wären die Verdächtigen die gleichen gewesen, aber kein Zentralrat der Obdachlosen hätte sich beschweren können. Wenigstens sind dieses Mal nicht tausende auf die Straße gerannt und haben Tatort-Fahnen verbrannt haben gegen einen Tatort protestiert, den sie nicht kennen. Wegen Volksverhetzung.

Von Alex

Einst habe ich an der Universität in Würzburg studiert, jetzt bin ich Lehrer. Mein Lieblingszitat stammt aus dem grandiosen österreichischen Film Poppitz: „Dänkn däaf mass, soogn liaba neet“ – schließlich sind zumindest die Gedanken frei – wer es nicht verstanden hat: „Denken darf man es, sagen besser nicht“

9 Kommentare

  1. jetzt hast Du meine Geschäftsidee verraten; gerade heute wollte ich anfangen Tatort Fahnen zu drucken, die dann verbrannt werden können…
    damit wäre ich reich geworden!! Du schuldest mir was – erachte diesen Post als Protestnote des Zentralrats des Uhroblogen 😉

  2. Pingback: goodgroove.de
  3. Der hat zwar inzwischen schon einen Bart…aber ich denk immer noch an unser „Sinti-und-Roma-Schnitzel“ in StaBü

  4. Da habe ich auch dran denken müssen. 😀 Die Musiker sind nur gefragt, wenn es darum geht, die Melodie dem politisch korrekten Text von „Lustig ist das Sinti- und Romaleben“ anzupassen.

  5. Habt ihr schon gehört, dass der „Der Zigeunerbaron“ in „Der Sinti-und-Roma-Baron umbenannt werden soll? 😉

    Ich werde nie begreifen, wie man allen Ernstes glauben kann, durch Umbenennungen die assoziativen Vorurteile dauerhaft (!) mit beseitigen zu können. Wird denn ein Neger (lat. niger = schwarz) anders, z.B. weniger schwarz oder weniger arm, wenn er „Schwarzer“ genannt wird? Ich finde „Schwarzer“ noch diskriminierender als „Neger“, da doch immerhin die wenigsten Leute Latein können. „Sinti und Roma“ finde ich als Benennung viel unsympathischer als „Zigeuner“, mit denen man doch auch viel Bewunderung und Romantik verbindet (wenn auch nicht immer zu Recht).

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