E hessisches Mäd’sche mit e Probleem mit ihrm Nintendo

Straßenbahn ist schön. Entspannt. Entspannend. Keine bescheuerten Autofahrer, die die äußere Spur im Berliner Ring besetzen und einen fast über den Haufen fahren, wenn man raus will. Keine dummen Ewig-Anfänger, die denken es heißt „Links vor rechts“, die es einfach verdienen, dass man ihnen die Vorfahrt nimmt. Kein Hupen, kein Stau, dafür wunderbare Menschen, die sich unterhalten und deshalb unterhalten. So auch wieder heute. Ich steige am Sanderring ein, setze mich hin, schaue, sehe ein ganz nettes Mädchen und dann… Dann fängt sie an, mit ihrer Freundin, vom Dialekt her tippe ich auch das NEAndertal, zu reden. Eigentlich hat aber nur sie geredet. Und wie. Breitestes Aschaffenburgerisch. „Ei, da habbisch mit meim Bruudä meinä Schwester zu Weihnachte so e Spiel für de Nintendo gekaaft, abbä des hat net gebasst. Isch hab gedacht, dass des so… e Nintendo halt… isch hab gedacht, dass des halt de Heä’ställä ist und das da so alles basst. Isch hab des meinä Schwestä gekaaft und dann haddes net gebasst. Die CD war zu klein. Des sinna nua so klaane Dingä, dabei hannisch isch mich extra beraade lasse. Es strengt unheimlich dann, das so zu schreiben, deshalb schreibe ich jetzt den Rest des Dialogs mal in Hochdeutsch auf. Sie hat sich also extra beraten lassen, wie wir wissen, aber falsch. Weil so eine CD, Kassette oder sonstwas, es waren alle Bezeichnungen vorhanden, ja 49,90€ kostet, die Packung aber schon geöffnet war, haben sie nach langem Hin und Her und Beteuerungen, dass der Datenträger noch nicht im gerät war, eine Gutschrift bekommen. Jetzt wollte sie, wahrscheinlich ist sie immer noch dabei, beim Müller nach einem Ersatz für ihre Schwester schauen, auch wenn wir inzwischen 19% Mehrwertsteuer zahlen müssen, weil wie hat ihre Mutter gesagt: „Bessä, mia habbe e neues Spiel, mit demse a spielle koo, als dasse e Spiel für naaneviazg Euros daheim habbe, mit demmse nix anfange ko. Dann müsstema ja e Neus kaafe.“ Verstanden? Besser ein neues Spiel und ein paar Cent mehr dazubezahlt als ein unbrauchbares Spiel und der Kauf eines neuen, brauchbaren. Sie wollten dann noch zum Fielmann, Preise „verglaaische“, haben aber den Abele mit dem Fielmann verwechselt und wussten nun nicht, wo der Fielmann ist. Ich habe ihnen geholfen, schließlich sah sie ja ganz nett aus.

Ach ja, die Neandertalerin durfte auch was sagen: „Da biste aber schelcht beratet worden.“

Von Alex

Einst habe ich an der Universität in Würzburg studiert, jetzt bin ich Lehrer. Mein Lieblingszitat stammt aus dem grandiosen österreichischen Film Poppitz: „Dänkn däaf mass, soogn liaba neet“ – schließlich sind zumindest die Gedanken frei – wer es nicht verstanden hat: „Denken darf man es, sagen besser nicht“

2 Kommentare

  1. Ach ja, was man doch teilweise für lustige Sachen in der Straba erlebt… Letzte Woche musste ich mich ja extremst beherrschen, nicht laut loszuprusten. Hinter mir saßen zwei Mädels, die lautstark mit jemandem telefonierten. Das Handy war also auf frei sprechen gestellt, verstanden hab‘ ich davon aber nix. War mir ja soweit auch Wurscht.

    Aber dann kam der Hammer: Aus dem Handy drang wieder nur Gemurmel an mein Ohr. Darauf das eine Mädel: „Du sollst doch nicht immer meinen Namen sagen, wenn ich in der Straba sitze! Das hört doch dann jeder.“ Wieder Gemurmel. „Wie hast du mich genannt? Ich heiß‘ Melina und nicht Melissa!“

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